Saarlandbotschafterveranstaltung mit Hans Peter Schneider

Am 07. November 2013 fand die Saarlandbotschafterveranstaltung mit Hans Peter Schneider zum Thema „Wie kann man erfolgreich Messen durchführen? Was braucht Saarbrücken, um ein erfolgreicher Messe- und Kongressstandort zu bleiben“ in der Luminanz statt.

Protokoll

Saarlandbotschafterveranstaltung mit Hans Peter Schneider

„Wie kann man erfolgreich Messen durchführen?

Was braucht Saarbrücken, um ein erfolgreicher Messe- und Kongressstandort zu bleiben?“

07.11.2013, 18.00 Uhr, Luminanz Saarbrücken

1. Michael Hartz begrüßt die Teilnehmer der Veranstaltung, den Referenten Saarlandbotschafter Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der Messe Bremen, sowie die Saarlandbotschafter Bernard Challand und Dr. Rena Wandel-Hoefer.

2. Hans Peter Schneider berichtet von seinem Werdegang als Prokurist der Messe Erfurt. Dort fand er zu Beginn seiner Tätigkeit zwar eine gute Infrastruktur vor, aber kein eigenes Messeportfolio. Dieses hat er anschließend selbst aufgebaut mit den Schwerpunkten Gastronomie, Garten sowie Reiten, Jagen, Fischen.

Anschließend wechselte er als Geschäftsführer zur Messe Bremen. Auch dort musste er ein eigenes Portfolio aufbauen. Dies bedingte auch die Verträge mit dem ehemaligen Monopolisten der Hannover Messe auslaufen zu lassen. Herr Schneider verdeutlicht, dass ein Messestandort in erster Linie über seine Produkte anerkannt wird. Zum Aufbau eines guten Produktportfolios hat das Land Bremen als Gesellschafter eine Anlauffinanzierung geleistet. Diese würde rentieren, da beispielsweise die Messe Bremen eine Umwegrentabilität (Übernachtungen, Gastronomie, Käufe vor Ort) von 40 Mio. Euro generiert.

In Bezug auf Saarbrücken erläutert Herr Schneider, dass die Situation in Deutschland außergewöhnlich ist, mit privaten Messen seit über 60 Jahren am Markt erfolgreich zu sein. Jetzt müsse das Saarland definieren, welche Ziele mit der Messe verfolgt werden und anschließend an die operative Umsetzung gehen. In ein Messe- und Kongresskonzept sollten folgende Punkte einfließen:

· Portfolio: kleine vs. große Konferenzen

· Einzugsbereich: Mehrbranchenmessen / Verbrauchermessen haben häufig nur einen Einzugsbereich von 80-90 Kilometern

· Profilierung: Beim Produkt Messen besteht eine hohe Wiederbegegnungswahrscheinlichkeit bei Besuchern und Ausstellern

· Einbeziehung anderer Akteure: Multiplikatoren finden, denen man zuhört nach dem Motto „Tue Gutes und lasse andere darüber reden!“

Zu dem Punkt was Messen leisten können, bemerkt Herr Schneider, dass Messen sinnstiftend sein können und einen Imagetransfer für die ganze Region erreichen können. Hierzu nennt er das Beispiel „Wetten, dass…“ Auch wenn solch eine Fernsehshow keine großen Mieteinnahmen generiert, hat sie einen hohen Effekt für die Außenwahrnehmung.

Als anzustrebendes Portfolio für Saarbrücken schlägt er zur Existenzsicherung 3-4 große Verbrauchermessen vor, in Märkten die bereits existieren. Spezifische Verbrauchermessen mit einem Schwerpunktthema haben häufig einen großen Einzugsbereich, z.B. die „Eurocheval“ in Offenburg oder die „Classic Motorshow“ in Bremen.

Außerdem sollten Fachmessen für Nischenthemen veranstaltet werden. Hierzu muss man sich Partner vor Ort suchen. In Bremen hat Herr Schneider beispielsweise zusammen mit dem DFKI den Robo Cup veranstaltet. Auch Medizinthemen zusammen mit der Homburger Universitätsklinik sind in diesem Feld denkbar.

Weiterhin kann man versuchen, einen Medizinkongress aus anderen Standorten abzuziehen und nach Saarbrücken zu holen. In diesem Zusammenhang sind auch Kongressmessen interessant, bei denen die angeschlossene Ausstellung den Kongress finanziert. Diese Form der Messe wird immer beliebter. Heutzutage gibt es kaum noch Fachmessen, die nicht über einen gewissen Konferenzanteil verfügen.

Außerdem sollten außergewöhnliche Veranstaltungen im Messeportfolio vertreten sein, die es so ausschließlich in Saarbrücken gibt. In Bremen hat Herr Schneider beispielsweise die Veranstaltungen „Slow Fisch“, eine Slow Food Messe mit dem Schwerpunkt Fisch, die „jazzahead“ als wichtigster Treffpunkt für die internationale Jazzszene und die „Besseresser“ als Forum der gesunden Ernährung für Kinder und Jugendliche etabliert.

Als Füllveranstaltungen eignen sich Hausmessen. Man könnte auch das Halberg Open Air in das Messezentrum verlegen.

Darüber hinaus sollte man Gastveranstaltungen akquirieren, aber auch Akzente mit Eigenveranstaltungen setzen.

Zu den Eigentümerstrukturen merkt Herr Schneider an, dass man die zurzeit getrennten Gesellschaften zu einer Gesellschaft zusammenführen sollte, die den Markt gemeinsam beackert. Die derzeitige Trennung sei ein Nachteil, da zahlreiche Kunden für unterschiedliche Veranstaltungen verschiedene Kapazitäten benötigen würden. Es sei auch denkbar, z.B. die Commune de Forbach als Gesellschafter einzubinden.

Weiterhin erläutert Herr Schneider, dass eine Vertriebsorientierung der Organisation wichtig sei. Man könne eine Tagungsinitiative mit den Hotels und weiteren Partnern vor Ort ins Leben rufen. Zentral sei auch der Aufbau von Netzwerken und Vertriebspartnern. Hier schlägt Herr Schneider beispielhaft den DEHOGA, den ADAC, den Landesjugendverband oder die Universität des Saarlandes vor. Das Netzwerk der Saarlandbotschafter könne eine zusätzliche Multiplikatorfunktion wahrnehmen.

Zum Thema Veranstaltungsort merkt Herr Schneider an, dass man diesen erst suchen sollte, wenn man ein Portfolio, einen Zielmarkt und ein Konzept hat.

Im Hinblick auf das Messegelände am Schanzenberg erläutert Herr Schneider, dass hier Kongresskapazitäten fehlen. Der Parkraum müsse auch vergrößert werden, dazu könnte der ehemalige Milchhof verwendet werden. Außerdem sei es sinnvoll, das Gelände um eine Eventhalle zu erweitern.

Auch das CSS könne man um eine Eventhalle erweitern. Denkbar wäre z.B. eine Überbauung des Bürgerparks oder der Saar, da eine Minierweiterung nichts bringt. Eine Lösung mit Zelten hält Herr Schneider für ungeeignet. Er kenne nur den Mannheimer Maimarkt, wo das funktioniert.

Ein weiterer zentraler Faktor für den Messestandort ist die Anzahl der verfügbaren Hotelbetten. In Bremen gibt es 10.000 Hotelbetten, von denen 4.000 fußläufig vom Messegelände erreichbar sind.

Zudem müsse die Erreichbarkeit des Standortes per Bahn und Flugzeug sichergestellt sein. Dies sei eine wichtige Aufgabe des Landes.

Fragen:

Ein Zuhörer fragt, welche Themen sich für Messen anbieten, die bisher in Saarbrücken fehlen.

Herr Schneider rät, einerseits zu schauen, welche Kompetenzen es bereits am Standort gibt und andererseits nach EU-geförderten Themen zu suchen. Weiterhin sei das Thema „Jagd“ sehr interessant, da es bisher im Südwesten nicht angemessen vertreten ist. Auch das Thema „Slow Food“ sollte betrachtet werden.

Das Konzept für die Veranstaltung „WISSENSWERTE“, eine Fachkonferenz für Wissenschaftsjournalisten, hat er bereits Saarbrücken angeboten, ist jedoch nicht auf Interesse gestoßen.

Der Zuhörer schlägt zusätzlich das Thema „Recycling“ vor.

Ein Teilnehmer fragt, ob es einen Bedarf für Messen im Bereich Nahrungsergänzungsstoffe gibt. Herr Schneider antwortet, dass er hier einen Bedarf sieht. Man müsse bei diesem Thema allerdings klären, ob man eine Kongressmesse für ein Fachpublikum oder eine Verbrauchermesse organisiert.

Ein weiterer Zuhörer möchte wissen, wer sich um den Aufbau des angesprochenen Netzwerkes kümmert. Herr Schneider erläutert, dass diese Aufgabe von den Politkern und den Verantwortlichen der Messe selbst wahrgenommen werden müssen.

Eine Zuhörerin erkundigt sich nach der Bedeutung von internationalen Messen für das Saarland. Der Referent betont in diesem Zusammenhang den Nachteil der Verkehrsanbindung Saarbrückens. Die Ministerpräsidentin muss dafür sorgen, dass das Saarland anbindungstechnisch nicht abgekoppelt wird. Weiterhin fragt die Teilnehmerin, ob Messen generell noch zeitgemäß seien. Am Beispiel der Medizinkongresse erläutert Herr Schneider, dass die Teilnehmer ein großes Bedürfnis haben, sich mit Gleichgesinnten über ihr Fachgebiet auszutauschen und Networking zu betreiben. Außerdem werden auf diesen Kongressen Fortbildungspunkte für Mediziner vergeben.

Ein Teilnehmer merkt an, dass er sich ehrenamtlich im Vorstand einer medizinischen Fachgesellschaft engagiert, die bisher in Freiburg tagt. Er will gemeinsam mit dem CSS sondieren, ob man diese Tagung nach Saarbrücken holen kann.

Sehen Sie hier die Bilder der Veranstaltung und hier das Video.

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